Wie viel Regen braucht es, um die Trockenheit zu beenden?
Seit Monaten taucht in den Schlagzeilen in Österreich immer wieder die anhaltende Trockenheit auf. Bereits der vergangene Winter war trockener als üblich, das Frühjahr war das niederschlagsärmste seit Beginn der Messungen im Jahr 1858 und der Sommer zählte zu den fünf niederschlagsärmsten seit Messbeginn. Die extreme Sommerhitze ließ in Kombination mit der trockenen Luft die Verdunstung stark ansteigen. Die Folge der Trockenheit und der hohen Verdunstung waren Wassermangel in den Böden sowie niedrige Pegelstände in einigen Flüssen und Seen.

Rekordtrockenheit
Auch über einen längeren Zeitraum betrachtet ist die Situation außergewöhnlich: In den vergangenen zwölf Monaten fiel so wenig Niederschlag wie noch nie seit Beginn der Messungen. Damit steuert Österreich derzeit auf das trockenste Kalenderjahr seit Messbeginn zu. Von den vergangenen 12 Monaten brachte im landesweiten Flächenmittel nur der Februar mehr Niederschlag als üblich.

Trockenheit trotz Regen?
Obwohl es im Laufe des Herbstes regional etwas geregnet hat, ist die Trockenheit in Österreich damit noch lange nicht beendet. Dabei muss zwischen meteorologischer und hydrologischer Dürre unterschieden werden: Eine meteorologische Dürre entsteht durch ein Niederschlagsdefizit über einen bestimmten Zeitraum, der von wenigen Wochen bis Monaten reichen kann. Einzelne Regenereignisse können die Situation kurzfristig verbessern, gleichen ein längerfristiges Defizit aber nicht zwangsläufig aus.

Grundwasserstände und Seepegel spiegeln häufig die Niederschlagsverhältnisse über viele Monate wider. Bleiben Grundwasserstände, Abflüsse oder Seepegel aufgrund anhaltender Wasserdefizite ungewöhnlich niedrig, ist dies ein klarer Hinweis auf eine hydrologische Dürre.

Die Niederschläge der vergangenen Wochen konnten den Oberboden zumindest regional wieder befeuchten und das kurzfristige Niederschlagsdefizit teilweise verringern. Der Wasserhaushalt reagiert jedoch deutlich langsamer und die hydrologische Dürre setzt sich fort.

Ein halber Jahresniederschlag fehlt
Die niederschlagsreichsten Monate im langjährigen Klimamittel liegen bereits hinter uns: Sie reichen von Mai bis September. In den wärmeren Monaten wird ein großer Teil des Niederschlags von Pflanzen aufgenommen, verdunstet oder fließt oberflächlich ab. Im Winter ist die Verdunstung hingegen geringer, sodass bei geeigneten Bodenbedingungen mehr Wasser versickern und zur Grundwasserneubildung beitragen kann.

In Wien fallen von Oktober bis Dezember durchschnittlich knapp 150 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Das derzeit bestehende Niederschlagsdefizit lässt sich damit jedoch nicht ausgleichen. Vielmehr sind über mehrere Monate hinweg überdurchschnittliche Niederschlagsmengen erforderlich, damit sich auch die Grundwasserspeicher wieder erholen können. In den kommenden 10 Tagen sind keine nennenswerte Regenmengen in Sicht, der Oktober wird also ebenfalls mit großer Wahrscheinlichkeit zu trocken abschließen.

Um das seit Jahresbeginn aufgelaufene Niederschlagsdefizit im österreichischen Donauraum auszugleichen, wären bis Jahresende zusätzlich etwa 300 bis 400 Liter Niederschlag pro Quadratmeter erforderlich. Entlang der Nordalpen vom Bodensee über das Salzkammergut bis in die Eisenwurzen wären es sogar etwa 500 bis 700 Liter pro Quadratmeter. Beide Mengen entsprechen jeweils in etwa der Hälfte des mittleren Jahresniederschlags. Das Niederschlagsdefizit liefert einen Anhaltspunkt, lässt aber keine direkten Rückschlüsse darauf zu, wie viel Regen exakt nötig wäre, um die hydrologische Dürre zu beenden. Entscheidend ist, wie viel des Niederschlags tatsächlich versickert und zur Grundwasserneubildung beiträgt. Dabei spielt neben der Bodenbeschaffenheit auch die zeitliche Verteilung der Niederschläge eine wichtige Rolle.

Langfristige Modellberechnungen deuten für den Winter auf überdurchschnittliche Niederschlagsmengen in Mitteleuropa hin. Das wäre eine erfreuliche und dringend notwendige Entwicklung. Die Unsicherheiten solcher saisonalen Prognosen sind allerdings sehr groß.

Wie außergewöhnlich ist die Trockenheit?
Ein wichtiges Maß zur Beurteilung der meteorologischen Trockenheit ist der sogenannte Standardized Precipitation Index (SPI). Er kann für unterschiedliche Zeiträume berechnet werden: Der SPI über einen Monat (SPI-1) erfasst kurzfristige Niederschlagsabweichungen, während der SPI über zwölf Monate (SPI-12) längerfristige Niederschlagsdefizite abbildet, die auch für die Entwicklung hydrologischer Dürren relevant sind. Negative SPI-Werte weisen auf unterdurchschnittliche Niederschläge hin. SPI-Werte von -2 oder darunter kennzeichnen extreme Trockenheit. Positive SPI-Werte deuten hingegen auf überdurchschnittliche Niederschläge hin.
Ein Blick auf die Landeshauptstädte zeigt deutliche regionale Unterschiede: In Bregenz und Salzburg liegt der SPI über 12 Monate derzeit sogar unter -3, während er in Klagenfurt nur knapp unter -1 liegt.
| Aktueller SPI-12 | (Stand: bis inkl. September 2026) |
| -1 bis -2 | Klagenfurt, Graz, Innsbruck, St. Pölten |
| -2 bis -3 | Wien, Eisenstadt, Linz |
| unter -3 | Salzburg, Bregenz |

Besonders außergewöhnlich ist die Lage in Salzburg: Der SPI-12 hat dort in den vergangenen 100 Jahren noch nie einen so niedrigen Wert erreicht wie heuer. Annähernd vergleichbar war die Situation zuletzt im Jahr 1969 sowie rund um 1972, als es mehrere trockene Jahre in Folge gab.

