Unwetterzentrale Österreich

Unwetterarten


Was versteht man unter Starkregen?
Wie entsteht Starkregen?
Welche Arten des Starkregens gibt es?
Welche Wetterlagen führen zu Starkregen?
Welche Gefahren bestehen bei Starkregen?
Warnschwellen bei Starkregen
Wie verhält man sich bei einem markanten Starkregenereignis?


Was versteht man unter Starkregen? (Übersicht)


Kommen bei einem Regenereignis in kurzer Zeit große Mengen zusammen, spricht man vom Starkregen. Die Definition besagt, dass es sich ab einer Menge von 5 mm innerhalb von 5 Minuten bzw. ab 17 mm in einer Stunde um Starkregen handelt. Starkregen stammt meist aus konvektiver Bewölkung und kann in kurzer Zeit zum Anschwellen von Bächen und Flüssen führen, zudem sind bei länger anhaltendem Starkregen auch Hangrutschungen oder Murenabgänge nicht ausgeschlossen.




Intensiver Regen in Wien



Der Regen wird in „mm“ oder „Liter pro Quadratmeter“ gemessen, die beiden Einheiten sind ident. Gedanklich kann man sich bei 10 mm oder Liter pro Quadratmeter einen Eimer mit 10 Liter Inhalt vorstellen, den man auf eine Fläche von einem Quadratmeter leert. Auf dieser Fläche steht das Wasser dann exakt 10 mm hoch.



Wie entsteht Starkregen? (Übersicht)


Kleinste Wassertröpfen wachsen in Wolken durch verschiedene Prozesse, allen voran aber durch das Zusammenstoßen mit anderen Wassertröpfchen. Erreichen die Tröpfchen eine bestimmte Größe, fallen sie als Regentropfen aus der Wolke.

Gibt es im Bereich der Wolken nun starke horizontale und besonders vertikale Windgeschwindigkeiten, fallen die Tropfen nicht aus der Wolke, sondern werden darin herumgeschleudert. Dieser Umstand führt zu einem weiteren Anwachsen der Tropfendurchmesser, bis dieser eine kritische Größe erreicht. Übersteigt die Schwerkraft der Tropfen schließlich auch den Aufwind, beginnen sie nach unten zu fallen. Die Tropfen sind nun durch die lange Verweildauer in der Wolke deutlich größer als „normale“ Regentropfen und sammeln auf dem Weg nach unten weitere kleine Tropfen auf und beschleunigen dabei. So kommen diese mit großer Geschwindigkeit und großem Durchmesser als Starkregen am Boden an.

Entscheidend für Starkregen sind neben den Temperaturverhältnissen daher vor allem die Windverhältnisse in der Atmosphäre, d.h. bei großer Turbulenz im Bereich der Wolken kommt es zur langer Verweildauer der Tropfen in der Wolke und dadurch schließlich zu einem erheblichen Tröpfchenwachstum.



Welche Arten des Starkregens gibt es? (Übersicht)


Beim Starkregen unterscheiden wir im wesentlichen zwei verschiedene Arten, je nach Entstehungsgeschichte gibt es den frontalen Starkregen sowie den konvektiven Starkregen.



Frontaler Starkregen
Der frontale Starkregen bildet sich, wenn zwei unterschiedlich temperierte Luftmassen aneinander stoßen, wie es eben bei Fronten (Kalt- und Warmfronten, Okklusionen) passiert. Dabei kommt es zu unterschiedlich schnellen Hebungsprozessen, welche die Wolken- und schließlich auch das Tröpfchenwachstum fördern. Die Dauer des Regens bzw. des Starkregens hängt von der Verlagerungsgeschwindigkeit der Fronten ab, mit der sich die Niederschlagsgebiete mitverlagern. Gibt es bei Fronten zusätzlich noch Staueffekte (z.B. an einem Gebirge), fällt die Intensität des Starkregens durch weitere Hebungs- und Staueffekte noch größer aus.



konvektiver Starkregen
Die zweite, häufigere Starkregenart ist der konvektive Starkregen. Er tritt verstärkt im Sommerhalbjahr auf. Bei der Bildung von markanten Quellwolken (Gewitterwolken) gibt es zum Teil starke Aufwinde, in der sich eben große Regentropfen oder auch Hagelkörner bilden können. Beim Ausfallen der Tropfen aus der Wolke kommt es lokal zu ergiebigem Niederschlag, zu einem sogenannten Wolkenbruch. Bei diesen Ereignissen werden die größten Regenintensitäten erreicht, dabei können innerhalb von 30 Minuten durchaus 30 Liter pro Quadratmeter und mehr fallen.



Welche Wetterlagen führen zu Starkregen? (Übersicht)


Bedingt durch die zwei unterschiedlichen Starkregenarten können auch unterschiedliche Wetterlagen zu einem markanten Starkregenereignis führen. Während der frontale Starkregen an Tiefdruckgebiete (Okklusion, Warm- oder Kaltfront) gebunden ist, kann der konvektive Starkregen selbst bei Hochdrucklagen auftreten. Hierbei spielen vor allem die vertikale Luftschichtung, Windverhältnisse sowie die Luftfeuchtigkeit eine große Rolle; eben Bedingungen, welche die Schauer- und Gewitterbildung begünstigen.



Saisonales Auftreten
Da der Starkregen am häufigsten an konvektive Bewölkung gebunden ist, kommen diese Ereignisse verständlicherweise bevorzugt im Sommerhalbjahr vor. Besonders bei frontalem Starkregen sind aber auch in der Übergangsjahreszeit im Herbst und Frühling teils große Regenmengen möglich. Am seltensten kommt es von Ende Oktober bis Anfang März zu Starkregenereignissen von gefährlicher Intensität, da in dieser Zeit die Luftmasse zu kalt ist, um große Mengen an Wasserdampf und Flüssigwasser aufzunehmen oder zu halten. Außerdem wird in dieser Zeit der Niederschlag in höheren Lagen in der Regel als Schnee gebunden, wodurch Bäche und Flüsse nicht so viel Wasser aufnehmen müssen.



Welche Gefahren bestehen bei Starkregen? (Übersicht)


Massiver Regen wirkt sich je nach Geländebeschaffenheit unterschiedlich stark aus. Im wesentlichen kommt es vor allem darauf an, wie gut der Boden das Wasser aufnehmen kann bzw. wie gut es abfließt. Zusätzlich weisen generell trockene Regionen gegenüber den „nassen Regionen“ eine deutlich größere Empfindlichkeit in Bezug auf Starkregen auf. Generell zeichnen sich regenreiche Regionen (in Österreich etwa der Bregenzerwald und das Salzkammergut) durch ein gutes Versickerungs- und Abflussvermögen von größeren Wassermassen aus.

Die Auswirkungen von ergiebigem Regen werden auch noch von weiteren, meteorologischen Parametern bestimmt. Eine besonders in einem gebirgigen Land wie Österreich wichtige Rolle bei einem Starkregenereignis spielt das Temperaturniveau, bei dem das Ereignis stattfindet. Sämtliche großräumige Hochwasserereignisse der Vergangenheit fanden bei relativ hohen Temperaturen statt. Hohe Temperaturen haben eine hohe Schneefallgrenze zur Folge. Dies hat wiederum den „Nachteil“, dass auch in den höchsten Gebirgsregionen der Niederschlag als Regen anstatt als Schnee fällt und dieser mehr oder weniger ungehindert ins Tal abfließt. Gegenteilig bewirken kühle Witterungsverhältnisse bei einem Starkregenereignis, dass in hohen Lagen sehr viel Niederschlag als Schnee fällt und somit gebunden wird.

Die Beschaffenheit des Bodens ist somit der Hauptgrund, wie gut eine Region ein Starkregenereignis „verkraftet“. Sind die Böden etwa von letzten Regenfällen noch durchnässt, besitzen diese bei neuem Starkregen eine nur sehr geringe Aufnahmefähigkeit. So können bei durchnässten Böden bereits niedrigere Regenmengen dieselben Auswirkungen hervorrufen, wie größere Regenmengen bei trockenen Böden. Ebenso kann das Wasser bei gefrorenen und zu ausgetrockneten Böden kaum oder nur schwer versickern.

In stark verbauten, urbanen Gebieten können kurzzeitige hohe Regenintensitäten erhebliche Probleme mit sich bringen, wenn die Kanalisation die großen Wassermassen nicht mehr aufnehmen kann. Dabei können sich selbst Gehwege und Straßen in kurzer Zeit in reißende Flüsse verwandeln, die entstehenden Schäden sind oft enorm.



Warnschwellen bei Starkregen (Übersicht)


Die Warnschwellen der Unwetterzentrale beziehen sich beim Warnparameter Starkregen auf einen Zeitraum von 24 bzw. 48 Stunden. Die Warnstufe Orange ist so angelegt, dass bei einem Starkregenfall nicht mit gravierenden Problemen durch Überflutungen oder Vermurungen zu rechnen ist. Ja nachdem wie die Vorgeschichte in einer betroffenen Region verlaufen ist (z.B. aufgeweichte Böen), sind aber auch bei diesen Mengen kleinere Überflutungen nicht ausgeschlossen.

Regnet es mehr als 50 Liter/Quadratmeter in 24 Stunden bzw. 100 Liter in 48 Stunden (entspricht Warnstufe Rot), sind je nach Gegebenheit Überflutungen oder Vermurungen möglich. Werden an einem Tag mehr als 100 Liter pro Quadratmeter bzw. innerhalb von zwei Tagen mehr als 150 Liter erwartet, so steht ein markantes Starkregenereignis mit der höchsten Warnstufe Violett bevor. In der Regel sind bei solchen Regenmengen durchaus großräumigere Überflutungen (Hochwasser) und Hangrutschungen/Vermurungen zu befürchten. Die Schäden und Behinderungen an der Infrastruktur können in solch einem Fall erheblich sein.



Wie verhält man sich bei einem markanten Starkregenereignis? (Übersicht)


Bei einem markanten Starkregenereignis, welches mitunter Überflutungen und/oder Vermurungen bringt, muss man sich auf massive Behinderungen im öffentlichen Leben einstellen. Aber auch im unmittelbaren Wohnbereich kann es zu gefährlichen Entwicklungen, eventuell durch Hochwasser oder durch Vermurungen kommen. Folgende Verhaltenstipps können helfen, ein Starkregenereignis der höchsten Stufe unbeschadet zu überstehen:


  • Achten Sie darauf, ob Wasser in Ihren Keller eindringt und bringen Sie gegebenenfalls Gegenstände in Sicherheit.
  • Stellen Sie sich auf Verspätungen und Ausfälle von Bus und Bahn ein.
  • Parken Sie Ihr Auto nicht in überschwemmungsgefährdeten Regionen.
  • Meiden Sie bei Autofahrten hochwassergefährdete Gebiete; stellen Sie sich auf Umleitungen aufgrund von Absperrungen ein. Fahren Sie vorsichtig und seien Sie auf mögliche Behinderungen auf der Straße gefasst (Muren, Geröll, Pfützen, etc.).
  • Halten Sie bei Aquaplaninggefahr das Lenkrad fest und führen Sie keine plötzlichen Beschleunigungs- und Bremsmanöver durch.
  • Schalten Sie Radio und/oder TV-Gerät an und achten Sie auf Warnungen der Hochwassermeldezentralen.
  • Halten Sie Dachrinnen und Gullis möglichst von Laub und Geäst frei.
  • Halten Sie eventuell eine Taschenlampe griffbereit.