Unwetterzentrale Österreich

Unwetterarten


Was versteht man unter gefrierenden Regen?
Wie entsteht gefrierender Regen/Eisregen?
Welche Arten von gefrierenden Regen/Eisregen gibt es?
Welche Wetterlagen führen zu gefrierenden Regen/Eisregen?
Welche Gefahren bestehen bei gefrierendem Regen/Eisregen?
Erklärungen der Warnschwellen bei gefrierendem Regen/Eisregen
Wie verhält man sich bei gefrierendem Regen/Eisregen?


Was versteht man unter gefrierenden Regen? (Übersicht)


Beim gefrierenden Regen, der nicht mit dem Eisregen gleichzusetzen ist, handelt es sich um Regen mit einer Temperatur über 0°C (also keine unterkühlten Regentropfen). Fällt dieser Regen auf gefrorenen Boden, bildet sich unmittelbar Glatteis.

Im Gegensatz dazu besteht Eisregen aus unterkühlten Wassertropfen (Temperatur unter 0°C), die aber trotzdem noch flüssig sind. Dabei fällt Regen von einer wärmeren Luftschicht in eine deutlich kältere Luftschicht in Bodennähe und kommt am Boden als unterkühlter Regen/Nieselregen oder auch als Eiskörner an. Auch in diesem Fall bildet sich auf Straßen und Gehwege Glatteis. Im Winter ist Eisregen vor allem dann möglich, wenn nach einer Kälteperiode in der Höhe Warmluft aufgleitet und Niederschlag induziert, in Bodennähe aber weiter kalte Luft lagert.

In der Unwetterzentrale Österreich werden die zwei Phänomene (gefrierender Regen + Eisregen) bei der Ausgabe der Unwetterwarnungen aber gleich behandelt, da sich die Auswirkungen (Glatteis) nicht wirklich unterscheiden. In den weiteren Ausführungen wird Glatteisregen daher als Sammelbegriff für Eisregen UND gefrierenden Regen verwendet.



Wie entsteht gefrierender Regen/Eisregen? (Übersicht)


Im Prinzip besitzt jede Front eines Tiefdruckgebiets in den Wintermonaten ein Gefahrenpotential bezüglich Glatteisregen, wenn davor besonders in Bodennähe schwache Windverhältnisse mit frostiger Luft bzw. mit gefrorenen Böden vorherrschen.

Wie man daraus erkennen kann, kommt es im wesentlichen auf die vertikale Temperaturschichtung und die Beschaffenheit des Bodens an, welche lokal beim Eintreffen einer Front in diesem Gebiet vorliegen. Ist die Lufttemperatur vom Boden bis in große Höhen ständig negativ, wird es sich beim Einsetzen von Niederschlag um Schnee handeln. Ist im vertikalen Temperaturprofil eine auch nur dünne Luftschicht (sehr häufig in 600/900 bis 1700 m Seehöhe) mit Temperaturen über +1 oder +2 Grad eingelagert, so schmilzt der Schnee auf dem Weg nach unten und kommt in Bodennähe daher als Eisregen an.

Ist die Luftschicht zwischen Boden und 2000 m durchgehend positiv und fällt der Regen auf dennoch gefrorenen Boden, handelt es sich um gefrierenden Regen.




Unterschied Glatteisregen - gefrierende Nässe
Im Volksmund wird die gefrierende Nässe häufig mit Eisregen oder gefrierenden Regen gleichgesetzt. Dies ist jedoch nicht richtig, da für die gefrierende Nässe kein unmittelbarer Niederschlag notwendig ist. Die gefrierende Nässe kann mehrere Verursacher haben:

Wenn es nach dem Durchzug einer Kaltfront, die Regen oder Schnee gebracht hat, aufklart und die Luft- oder auch nur die Bodentemperatur unter den Gefrierpunkt sinkt, gefriert das Wasser auf Straßen und Gehwegen und es bildet sich Glatteis. Dieser Prozess ist aber stark von den lokalen Gegebenheiten abhängig und wird von der Unwetterzentrale auch nicht als „Glatteisbringer“ behandelt.

Nach einem sonnigen Wintertag mit leicht positiven Temperaturen tagsüber schmilzt der Schnee in Straßennähe und das Schmelzwasser fließt oft über Straßen oder Gehwege. Sinken die Temperaturen am Abend wieder unter den Gefrierpunkt, so kann es stellenweise zu erheblichem Glatteis kommen. Auch dieser Glatteistyp ist aufgrund der lokalen Gegebenheiten von den Meteorologen nicht exakt vorhersagbar.



Welche Arten von gefrierenden Regen/Eisregen gibt es? (Übersicht)


Wie bereits eingangs erwähnt, gibt es einen Unterschied zwischen gefrierendem Regen und Eisregen. Während beim gefrierenden Regen Tropfen mit einer Temperatur über dem Gefrierpunkt zu Boden fallen und auf dem gefrorenen Boden Glatteis verursachen, besteht der Eisregen hingegen aus unterkühlten Regentropfen (Temperatur unter 0°C) oder auch aus Eiskörnern. Dies passiert aber nur, wenn Regen aus einer milden Luftschicht in eine darunter liegende frostige Luftschicht fällt.



Welche Wetterlagen führen zu gefrierenden Regen/Eisregen? (Übersicht)


Je nach Temperaturschichtung der unteren Atmosphäre birgt jede Front im Winter ein gewisses Gefahrenpotential für gefrierenden Regen oder Eisregen. Nur bei eindeutig negativer oder auch positiver Lufttemperatur in den untersten 2000 m kann gefrierender Regen oder Eisregen ausgeschlossen werden.




Warmfronten:
Diese Frontenart birgt die größte Gefahr für Glatteisregen in sich. Wie der Name schon verrät, gleitet bei Warmfronten warme Luft großflächig auf kalte Luft auf und dies verursacht im Winter oft flächendeckenden Schneefall, der bei Frontdurchgang allmählich in Regen übergehen kann. Gerade im Übergangsbereich von Schneefall zu Regen besteht dann zum Teil erhöhte Glatteisgefahr.

Bei einem etwas höheren Temperaturniveau zwischen Boden und einer Höhe von etwa 2000 m kann der Niederschlag aber auch sofort als Regen fallen und auf dem mitunter gefrorenem Untergrund anfrieren.




Kaltfronten:
Bei Kaltfronten besteht nur vorübergehend und kurzzeitig die Gefahr von Glatteisregen. Beim Eintreffen der Kaltfront kann es durch eine noch bestehende, markante Temperaturinversion kurzzeitig zu Glatteisregen kommen, bevor der bei Kaltfronten meist auffrischende Wind für eine gute Durchmischung der Luft sorgt. Sehr häufig kommt es im Winter beim Durchgang einer Kaltfront zu auffrischendem Wind, der in der Höhe eine Abkühlung und am Boden auch eine Erwärmung bringen kann, man spricht in diesem Fall von einer „maskierten Kaltfront“. Die Glatteisgefahr geht am Boden dadurch sehr rasch wieder zurück.




Okklusion:
Im Falle einer Okklusion (Mischfront) ist in mittleren Luftschichten immer noch ein Anteil von Warmluft vorhanden, der einmal stärker und einmal schwächer ausgeprägt ist. Bei entsprechenden Wind- und Temperaturverhältnissen in Bodennähe ist auch bei dieser Frontenart ein mäßiges Potential für Glatteisregen vorhanden.




Hochdruckgebiet mit Hochnebel:
Der Hochnebel besteht auch bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt aus winzigen unterkühlten Wassertröpfchen. Wenn diese Tröpfchen schwer genug werden, um langsam zu Boden zu fallen, kann es zu gefrierendem Nieselregen kommen. Die kleinen Tropfen gefrieren bei Bodenkontakt sofort an, Glatteis entsteht.




Zeitliches Auftreten
Da Glatteis an einen zumindest in den obersten Schichten gefrorenen Boden gebunden ist, tritt das Phänomen des Glatteisregens logischerweise ausschließlich in den Wintermonaten auf. Im Durchschnitt kommt es je nach Wetterlage am häufigsten zwischen Anfang November und Ende Januar zu glatteisbringendem Regen. Ab Februar geht die Gefahr durch Glatteisregen wieder zurück, da im Spätwinter die notwendigen milden Luftschichten in der Höhe selten sind.

Typische Wetterlagen für Glatteisregen sind bekanntlich Inversionswetterlagen. Wie bereits eingangs erwähnt kommt es ab November häufig zur Ansammlung von kalter, schwerer Luft in Becken oder Tälern, wobei die Temperatur schon vielfach unter den Gefrierpunkt sinkt. In höheren Luftschichten wird aber oft noch wärmere, bedingt durch die geringere Dichte auch leichtere Luft herangeführt, die sich wie ein Deckel über die kalte Luft am Boden schiebt. Diese Wetterlagen treten besonders in den ersten Wintermonaten häufiger auf, da vor allem in mittleren und höheren Luftschichten oft noch die milderen herbstlichen Luftmassen dominieren, während es in Bodennähe häufig schon winterlich kalt ist. Außerdem gibt es etwa im November vor allem in den nördlichen, polaren Breiten noch keine oder nur schwache Kaltluftansammlungen (polare Kaltluft).

Im Verlauf des Winters, etwa bis zum Februar hat sich über den nördlichen Breiten (Polarregionen) die Luft aufgrund der fehlenden Sonneneinstrahlung schon stark abgekühlt. Es bilden sich riesige Ansammlungen von polarer Kaltluft, die nun nach Süden ausbrechen und in abgeschwächter Form auch große Teile von Mittel- und manchmal sogar von Südeuropa überschwemmen. Die Neigung zu markant ausgeprägten Inversionswetterlagen mit milder Luft in der Höhe und kalter Luft in Bodennähe nimmt ab diesem Zeitpunkt stetig ab. Folglich sinkt bei Niederschlagsereignissen in Mitteleuropa, genauer gesagt im Alpenraum daher auch die Gefahr von Glatteisregen.




Regionales Auftreten
In Österreich sind vor allem jene Regionen von Glatteisregen am häufigsten betroffen, in denen sich leicht Kaltluft ansammeln kann und nur selten kräftiger Wind zur Durchmischung durchgreift. Am ehesten passiert dies eben in Tälern oder gut abgeschirmten Beckenlagen. So ist praktisch der gesamte Alpenbereich sowie schwach durchlüftete Beckenlagen (Grazer und Klagenfurter Becken) davon betroffen. Am seltensten kommt es im generell besser durchlüfteten Donauraum und im östlichen Flachland zu Glatteisregen.



Welche Gefahren bestehen bei gefrierendem Regen/Eisregen? (Übersicht)


Die Auswirkungen im Falle eines Glatteisregens sind oft verheerend. Nur geringe Mengen an Niederschlag, oft weniger als 1 „Liter pro Quadratmeter“ oder „mm“ reichen aus, um eine Straße oder einen Gehweg mit einer, wenn auch nur dünnen Eisschicht zu überziehen.

Streumittel zeigen in diesem Fall nur wenig Wirkung bzw. brechen die Eisschicht erst nach einer gewissen Einwirkzeit auf. Während der Autofahrt können die Regentropfen im Extremfall selbst auf der Windschutzscheibe anfrieren. Abhilfe schafft hier vor allem starkes Beheizen der Scheibe, damit die Scheibentemperatur nicht unter 0°C sinkt bzw. über dem Gefrierpunkt gehalten wird.



Erklärungen der Warnschwellen bei gefrierendem Regen/Eisregen (Übersicht)


Anders als bei den restlichen Warnparametern gibt es beim gefrierenden Regen/Eisregen keine festgelegten Warnschwellen (Menge, Stärke) für die jeweiligen Warnstufen. Bei leichtem gefrierendem Regen/Eisregen mit ersten Ansätzen von Glatteis wird die Warnstufe Orange ausgegeben. Ist mit einer signifikanten Glatteisbildung auf Straßen und Gehwegen zu rechnen, erfolgt die Ausgabe der Warnstufe Rot. Hierbei kann es bereits zu erheblichen Behinderungen im öffentlichen Leben kommen. Violette Glatteisregenwarnungen bleiben für extreme, fast schon „blizzardähnliche“ Zustände vorbehalten.



Wie verhält man sich bei gefrierendem Regen/Eisregen? (Übersicht)


Ist man etwa mit einem Fahrzeug unterwegs und gelangt in ein Regengebiet, so lässt sich auf die Schnelle nur schwer einschätzen, ob dieser Regen nun Glatteis verursacht oder nicht. Selbst wenn die Lufttemperatur knapp über dem Gefrierpunkt liegt, kann die oberste Bodenschicht gefroren sein. Nicht nur in solch einem Fall ist erhöhte Vorsicht geboten. Im Idealfall vermeidet man am besten Fahrten mit dem Auto. Bei sehr starkem Glatteisregen verwandeln sich ganze Landstriche in kurzer Zeit in einen Eislaufplatz mit einer mehreren Millimeter dicken Eisschicht. Dann wird selbst das Gehen zu einem Drahtseilakt ...... am besten man vermeidet den Aufenthalt im Freien.